Leben
Hierzulande kennt man das Akkordeon vor allem als volkstümliches Instrument. In Russland hat das Knopfakkordeon, der Bajan, eine eigenständige Klangentwicklung und eine virtuose Kultur hervorgebracht. Ihr fühlte sich Efim Jourist sein Leben lang verpflichtet, und er hat sie in Klassik wie Moderne weiterentwickelt.
Geboren 1947 in Kamjanez-Podilskyj, studierte er ab 1966 an der Musikhochschule in Gorki (heute Nischni Nowgorod). Dort lernte er den Komponisten Nikolai Tschaikin kennen, der seine musikalische Entwicklung stark prägte. Nach dem Abschluss 1971 wurde er Solist der Philharmonie Krasnojarsk und begann eine Konzerttätigkeit, die ihn durch viele Sowjetrepubliken, nach Europa, Australien, Lateinamerika und in die USA führte.
1992 zog er mit seiner Familie nach Hamburg und wurde zum bekanntesten Vertreter seines Fachs im deutschen Musikleben. Neben zahlreichen Soloauftritten hatte er großen Erfolg mit dem Efim Jourist Quartett – Bajan, Violine, Gitarre und Kontrabass –, das russische Konzert-Tangos, eigene Kompositionen und Arrangements spielte. Daraus wuchs das Efim Jourist Ensemble mit Marimbaphon/Vibraphon und Schlagzeug, für das er unter anderem Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“ für Sextett bearbeitete.
Mit seinen Ensembles war er bei Festivals wie dem Kissinger Sommer, dem Rheingau Musik Festival und dem MDR-Musiksommer zu Gast, im Konzerthaus Dortmund, in Berlin, Hamburg, Bremen, Köln und an vielen anderen Orten; im Ausland beim Kuhmo Festival, beim Carinthischen Sommer, bei den Musikfestwochen Meran und beim Kammermusik-Festival Delft.
Für die Konzertprogramme von Ulrich Tukur (Brecht, Heine) und Dominique Horwitz (Brel) schrieb er Kompositionen und Arrangements und leitete die Ensembles auf ausgedehnten Tourneen. Bühnenmusik entstand für das Schauspiel Hannover und Düsseldorf, das Wiener Burgtheater und das Hamburger Schauspielhaus. Seine Werke für Bajan und Sinfonieorchester führte er unter anderem mit dem RSO Frankfurt, der MDR-Kammerphilharmonie im Gewandhaus Leipzig, dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg, den Stuttgarter Philharmonikern sowie den Hamburger und Münchner Symphonikern auf.
Efim Jourist starb an seinem 60. Geburtstag, dem 13. Januar 2007, in Hamburg. Er ruht auf dem Jüdischen Friedhof Ohlsdorf.